In und mit diesem Buch geht es um Fanatismusprophylaxe durch Religionsrecycling nach der „Methode Musenkuss“.

Wie würde ich mich am liebsten hypnotisieren lassen? Das ist ja eine ziemlich einfache Frage. Trotzdem weißt Du gerade keine Antwort. Geht Dir das öfter so? Es ist wohl besser, wir reden Dich hinfort mit Sie an. Gute Gesellschaft bildet den Menschen. Passen Sie also bloß auf! Denn dies ist eines jener Bücher, die leider nur für kluge Menschen geeignet sind. Um genau zu sein, muss jemand schon ein bisschen dumm sein, der so etwas liest. Wer nämlich umfassend weise ist, braucht keine Bücher mehr. Wenn Sie aber zu dumm sind, dann verstehen Sie nicht einmal, dass Sie nicht verstehen, was Sie nicht verstehen. Bei einer derart schlimm ausgeprägten Ahnungslosigkeit fallen Sie als Kundschaft fast komplett aus. Sie können dieses Buch höchstens kaufen für Ihre Bücherwand, vor der Sie sich dann filmen lassen, um bspw. Analphabeten zu beeindrucken, die theoretisch an Bildung interessiert sind.Selbst schuld, wer jetzt noch weiterlesen mag! Immerhin ist Schuldfähigkeit eines der Erkennungsmerkmale dafür, dass jemand als erwachsen gelten kann. Sätze wie diese sind Teil der Beschreibung von Situationen, die wir miteinander teilen.

Sätze wie diese sind tatsächlich oft Teil der Beschreibung von Situationen, die wir miteinander teilen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Aber haben Sie auch verstanden?“Alles ist relativ – einschließlich dieses Satzes.“ Dieser kunstlose, unscheinbare Satz wiederum hat es insofern in sich, als er etwas beschreibt, was für alle möglichen Situationen und Situationstypen Gültigkeit hat. Donnerwetter! Trotz seiner Kürze verweist er uns auf die fraktale „Natur“ der Phänomene. Heinrich Rombach hätte von „Kaskaden der Situation“ gesprochen. Benoît Mandelbrot – nicht zu verwechseln mit dem Gebäck! – hätte sicher nicht widersprochen, wenn wir sagen würden, dass auch psychische und soziale Repräsentationen von Phänomenen sich gemäß einer fraktalen Dynamik entfalten. „Hätte, hätte – Fahrradkette!“ So richtig ausgefaltet hat es sich angeblich noch nicht einmal dann, wenn wir mehr oder minder friedlich abgenippelt sind. Mathematisch lässt sich das aber nicht beweisen. Zum Glück! Und was sagt uns das? Jochen Kirchhoff glaubt jedenfalls daran. Vielleicht kann er nicht richtig rechnen. Im Gegensatz zu Mandelbrot ist er kein Mathematiker.

Mancher mag bei dem rätselvollen Thema „Weiterleben nach dem Tod“ nun an die armen Schweine denken, die vorläufig aufgehört haben zu rätseln und nach dem Tode still entrückt durch die Hallen der Wurstfabrik schweben, um zermanscht im Leichentuch eines Darms, dem Sarg einer Konservendose und in den Innereien eines Essers schließlich noch ganz woanders zu enden. Um dann aus Humus neu ins Leben zu finden und wunderbar zu erblühen, bevor es – in der Kürze liegt die Würze! – schon wieder Richtung After geht. Aus den bisherigen Andeutungen werden es alle klugen Leserinnen und auch mancher Leser erkannt haben: In „Poesie für Zyniker“ geht es darum, dass wir alle dran glauben müssen. An was auch immer. Wir können das „Was“ zwar selber anzweifeln. Gute Wissenschaft mutet uns das zu, traut sich das manchmal. Aber sie kann selber von nichts anderem als von – genau genommen religiösen – Vorannahmen ausgehen. Diese Prämissen und die darauf aufbauenden Arbeitshypothesen kann man vorläufig glauben oder auch gleich in Zweifel ziehen. Wer mit einer alt und häßlich gewordenen Religion zusammen gesehen wird, steht schön doof da.

Wer mit einer minderjährigen Religion erwischt wird, bekommt Ärger. Wie kommen religiöses Selbstbewusstsein und wissenschaftliches Weltbewusstsein zu dem Sex, den sie just in time geil finden und der trotzdem erlaubt ist, zum frommen Nachäffen animiert? Exklusiv für alle derzeit nicht anderweitig Abgelenkten skizzieren wir jetzt auch noch, was das hiermit ans Herz gelegte Konvolut aus Aphorismen mit der letzten Perestroika vor dem mehr oder weniger großen Reset / Reinfall zu tun hat und weshalb wir eine reformative Wissenschaftskultur für Religionsrecycling anstatt anstatt einen zur Konservierung von Zombis verurteilten Klerus 2.0 brauchen, um nicht wie arme Schweine in irgendeines soziopathischen Afters Dark Room zu enden. Nun wieso wohl, mh?

 

Für den Fall, dass es jemand schriftlich braucht: PfZ ist für Schöngeister geeignet! Woran ich erkenne, dass ich dazu gehöre? Beherrsche ich die Kunst, einigermaßen gleichzeitig a) zwischen den Zeilen zu lesen, b) diogenische Andeutungen zu verstehen und c) diese dann auch noch ästhetisch zu vollenden? Prima! Dann machen Sie nur immer weiter damit! Sie werden sich sicher wundern, wohin das führt.

Damit Lernen sich lohnt, müssen Situationen natürlich vergleichbar sein. Wann genau sind sie das? Iß doch Wurst, oder? Wenn Situationen nicht vergleichbar wären, würde es keinen Sinn machen, die in einer Situation gelernte Lektion des Lebens auf eine scheinbar ähnliche Situation der eigenen Lebensreise oder die Lebenswelten anderer zu übertragen, sich dadurch aufmerksamkeitsbedürftiges Denkedenke zu ersparen und stattdessen bspw. besinnungslosen Sex zu haben oder inmitten friedhöflicher Gesellschaft Leichenteile in Würstchenform zu grillen. Im Idealfall gewinne ich Lebenszeit für Schaffeschaffe oder lustige Flausen anstatt angesichts immer neuer Herausforderungen des Lebens unentwegt kreativ sein zu müssen. Genau genommen sind Situationen aber überhaupt nicht vergleichbar und es ist krass fahrlässig, was wir das machen, wenn so fröhlich vor uns hin verallgemeinern, was eigentlich einzigartig ist. „Alles zu seiner Zeit!“ flüstert lüstern der volle Honigmund. „Alles an seinem Ort !“ und „Dirt is matter at the wrong place!“, so orakelt der Volksmund vollmundig weiter. Heiliger Strohsack, damit ist womöglich gemeint, dass alles, was uns begegnet, jeder Moment einmalig ist und trotz scheinbarer Ähnlichkeit so unverwechselbar wie ein Bierglas neben dem anderen. Diese Striptease-Show lässig verhüllter Daseinsmomente kommt uns mit einer Attraktion nach der anderen entgegen, solange wir leben – wenn wir denn leben, zu leben verstehen.

Wenn wir denn die Kunst des Lebens verstanden haben und immer wieder neu verstehen mögen, kommen wir aus der Kirche mit ihrem Lobpreis des Lebens gar nicht mehr heraus: Wow! Haste nich gesehen?! Eine Chance nach der anderen, selig zu werden, löst sich miteinander ab. Mancher begreift diese, uns Augenblick für Augenblick entgegen lächelnde Kaskade wundersamer Vergegenwärtigungen freilich erst, wenn es Zeit wird, die Augen für eine Ewigkeit lang zu schließen. Weil uns scheinbar nichts anderes übrig bleibt, werfen wir vor unserer zweiten, geistigen Geburt unentwegt Situationen in einen Situationstypeneintopf, die überhaupt nicht miteinander vergleichbar sind. In allen möglichen Religionen werden wir treuherzigerweise darauf hingewiesen, dass wir nicht auf frühreife oder überalterte Verallgemeinerungen aller möglichen Religionen hereinfallen sollen, außer der einzig wahren, vor deren Alleinherrschaftsanspruch alle anderen Religionen selbstherrlich warnen. Jedes Mal, wenn wir von einer Situation auf eine andere zu übertragen suchen und dabei hoffen, aus beiden Situationswahrnehmungen einen Situationstyp zu machen, machen wir uns der Sünde schuld, ein bisschen ungenau zu sein. Seit Jahrtausenden vorgewarnt durch die Dogmen der Religionen, bestätigen uns heute die Psychologen und Soziologen, dass es Glaubenssätze sind, durch die wir ähnliche wirkende Situationen Sinn stiftend zu verbinden suchen.

Glaubenssätze ergänzen einander wie Bauteile in der Architektur zu einem mehr oder minder formschönen, aber irgendwie nie ganz vollendbarem Ganzen. Dieses Ganze sei angeblich mehr als die Summe seine Teile, wie mancher seltsam grinsend behauptet, der das Leben zu kennen meint. Weil diese Glaubenssysteme einander auch wieder nur ungefähr ähneln, gibt es so etwas wie Leitwerte, an denen wir uns miteinander orientieren, wenn wir grübeln, wann wir welches Glaubenssystem dem anderen als Spielregelset für die Ausgestaltung von Kooperationsbeziehungen zu empfehlen suchen. Die eigentlich individuelle Auswahl der präferierten Leitwerte wird immer dann durch eigene Erfahrung bestimmt, wenn die Nutzung der von anderen übernommenen Erfahrungswerte nicht als erfolgversprechend erscheint. Je nachdem, wie es jemandem gelingt, die selbst als passend erkannten oder als richtig von anderen übernommenen Leitwerte für die Verbindung von Glaubenssystemen zu verkörpern, wird er von anderen potentiellen Kooperationspartnern als schön, attraktiv, ja vielleicht sogar charismatisch wahrgenommen. Wirkt die Inszenierung des angestrebten Selbstbildes nicht kohärent und konsistent im Verlaufe vergleichbarer Situationen und auch nicht kontingent sowie kongruent über die Zeit, so verbraucht sich die Glaubwürdigkeit anderen gegenüber. Das Charisma nimmt Schaden, unsere Kreditwürdigkeit sinkt.

Dabei ist kein Mensch so schlecht, dass er anderen nicht noch als abschreckendes Beispiel dienen könnte. Dadurch, dass wir selbst für andere und für uns selbst mit der Wiedererkennbarkeit unserer Selbstinszenierung Bindeglied sind zwischen verschiedenen Situationen auf den Bühnen unseres und alles anderen, damit assoziierten Lebens, wirken wir als Modell für gelungene oder abschreckende Lebensführung. Die aus Erfahrungen mit dem Modeln für sich selbst oder andere Voyeure gewonnene, eher optimistische oder pessimistische Haltung ist dabei keine Frage der Situation sondern der Strategie im Umgang bzw. Tanz mit Typen mehr oder minder passend sortierter Situationen. Wenn wir beim Tanz mit dem Leben auf die – Pardon! – Schnauze fallen, wird das individuell natürlich als problematisch empfunden. Wir wollen sexy wirken und möchten Strategien, die uns zwecks dessen schön schlau anstatt schön dumm aussehen lassen. Wir möchten angelacht statt angelacht werden. Damit wir überhaupt zu irgendeiner Strategie kommen, verbinden wir fast unentwegt (außer beim Sex oder dem Heißmachen armer Würstchen Lernerfahrungen aus vergleichbaren Szenen unseres Rollendarstellerlebens miteinander zu Komödien, in die wir andere mehr oder weniger attraktiv oder abschreckend wirkende Rollenspieler einladen.

 

 

 

Was sich als historische Wahrheit durchsetzen läßt, wird durch die Perspektive mitbestimmt.

Falsche und falsch angewandte Strategien, dank derer wir auf Brettern landen, die man für die Welt halten könnte, sind natürlich mit Angst besetzt. Wie vermeiden wir Helden die Angst vor Misserfolg und vielleicht am besten gleich noch die Angst vor der Angst? Misserfolg durch Anwendung einer eigensinnig zurecht gebastelten oder von Anderen geklauten Strategie ist zunächst einmal schon vorprogrammiert, wenn die Basis für die Strategiekonstruktion verkehrt ist. Wer nichts macht, kann zwar nichts richtig machen, aber wenn jemand gleich alles falsch macht, ist das auch wieder irgendwie verkehrt. Fehler um jeden Preis vermeiden zu wollen, ist offenbar selbst ein Fehler. Organisationen, in deren Kultur das Strategiekalkül der Vermeidung potenziell falscher Bewegungen zur Norm verabsolutiert worden ist, sehen alt aus. Sie wirken für Kunden und „paarungswillige“, andere Organisationen nicht anziehend, geschweige charismatisch. Schön ist nur, wer sich verschwendend gibt.“ Andererseits müssen wir als Menschen, Organisationen, Kulturgemeinschaften Routine ausbilden, weil wir sonst nicht effizient sind. Allerorten hören wir „Sei achtsam!“, „Kreativität ist das wichtigste!“, „Trainiere so oft wie möglich Deine Resilienz!“, „Lerne Risiken einzugehen, damit Du antifragil wirst!“ All diese modernen Maximen erinnern an die Durchhalteparolen nach verlorener Schlacht beim Militär und an die Dogmen der Kirchen und Sekten des letzten Mittelalters über Sünde, Verdammnis und Himmelreich. Würden wir die Parolen genau so bierernst verabsolutieren, wie es uns nahegelegt wird, würden wir in kompletter Idiotie enden.

Die totalitäre Verabsolutierung eines Glaubenssatzes wie bspw. „Heiße Fehler unbedingt willkommen, damit Du aus ihnen lernen kannst!“ würde sich in der Praxis irgendwann ebenso fatal auswirken wie „Versuche Fehler unter allen Umständen zu vermeiden, damit Du nicht aus ihren Kosten lernen musst!“ So sehr man es als Theoretiker manchmal bedauern mag, das Menschen in der Praxis zu Schlampigkeit, Vergesslichkeit, Faulheit, Empfänglichkeit für unmoralische Angebote und anderen Sünden neigen – würden wir angesichts all der theoretisch ein Stück weit richtigen Normen und Gebote nicht alle Fünfe gerade lassen, würde unsere Gesellschaften in Orthodoxie erstarren. Angesichts der ohnehin schon Risiko-behafteten Neigung von Institutionen, in Orthodoxie zu erstarren, erscheint bemerkenswert, dass sie das, was sie um so dringender brauchen, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen, in den Geburtswehen einer neuen Organisation ihrer Selbstorganisation um so vehementer bekämpfen, je weiter die Krise der Entfremdung gegenüber den Außenwelten fortgeschritten ist; wenn Innovation und Reformation zu spät zugelassen und gefördert werden, ist der Wettlauf mit der sich anbahnenden Katastrophe verloren: „Wer zu spät kommt …“ Wie erkennen wir aber das richtige Maß zwischen Regeleinhaltung und Rebellion? Wie trainieren wir die Sensibilität für den richtigen Zeitpunkt für zivilen Ungehorsam angesichts verschleppter Kurskorrektur einer Führung?

Der durch die Irrungen und Wirrungen der Nachwendezeit geprägte Autor von „Poesie für Zyniker“ sieht das Moment der Schönheit in der Subversion gegenüber all den tendenziell totalitären Geboten: Der „konstruktiv-subversiv“ eingestellte Bürger erkennt die Normen an, weil sonst seine Strategien nicht greifen: Lerne die Regeln, damit du weißt, wie du sie umgehen kannst.“ Den durch Normen verkündende Instanzen gesetzten Rahmen zu wenig in Frage zu stellen, ist nicht empfehlenswert, weil sonst die notwendige Reformation zu sehr verschleppt und ihr Erfolg vor Eintreten der Katastrophe riskiert wird. Den durch Normen verkündende Instanzen gesetzten Rahmen zu sehr in Frage zu stellen, ist auch nicht empfehlenswert, solange kein tragfähiger, neuer Rahmen als Alternative zur dekadent gewordenen Orthodoxie zur Verfügung steht. Solange das Subversionspotential der Bürgerschaft der Allianz aus Gewaltmonopol und medialer Deutungshoheit im gesamtgesellschaftlichen System der Checks and Balances entspricht, sind Exzesse in Form Revolution oder Terror von Staats wegen vermeidbar. Bleiben die Ton angebenden Dynastien derer, welche einerseits die Macht bewahren und deren, die sie andererseits in Frage stellen sowie im fortgschrittenem Verfallsstadium einer Orthodoxie beanspruchen, zu sehr hinter den Bearfen an Transformationsgestaltung ihrer Kulturgemeinschaft zurück, so riskieren alle miteinander die Katastrophe infolge dessen aufgrund sozialer Aufgeregtheit in den Kämpfen um die Macht die ökologischen Voraussetzungen jeglicher Ökonomie aus den Augen verloren wurden.

Um Strategien für Transformationsdesign geht es in der Aphorismensammlung aber noch nicht. Im Scheinwerferkegel der Aufmerksamkeit steht vielmehr die Phase der Bewusstseinsbildungsphase davor, in Form konstruktiv-subversiver Haltung gegenüber den eigenen Selbststeuerungskompetenzen. Ähnlich wie es für Kampfsportler empfehlenswert ist, sie sich die eigenen Schwachstellen mit den Augen eines Gegners zu betrachtet, trägt es zur Zukunftsfähigkeit bei, wenn wir gegenüber dem psychologischen Immunsystem und „Mentalkörper“ unserer eigenen Glaubenssysteme und Leitwerte Skepsis, konstruktives Misstrauen trainieren. Der in PfZ für die Bewusstseinsbildung konstruktiv-subversiv gestimmter Bürger angestrebte Trainingseffekt wird durch immer neue Infragestellung der individuellen Tendenz zur Verabsolutierung von assoziativen Momenten und Relativierung des totalitären Banns durch so oder anderes interpretierbare Situationen erreicht. Zitat: „Aphorismen sind vielleicht der beste Weg, um philosophische Überzeugungen darzulegen. Ein Philosoph, der darauf ausgeht, ein ganzes, kompliziertes System zu entwickeln, ist zuweilen unfreiwillig nicht mehr ganz aufrichtig. Er wird der Sklave seines Systems, dessen Symmetrie zuliebe er oft bereit ist, die Wahrheit zu opfern“. Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoj (1828 – 1910)

Insider wissen voll Bescheid, sobald sie in PfZ hin und her gelesen, alles Gesagte und besser nicht Gesagte durch und durch verstanden, sowie für sich und ihre intime Beziehung zum pulsierenden Leben außerhalb irgendwelcher Fratzenbücher weiter „geschrieben“ haben: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und wer zu früh kommt, den … na hoppla … bestraft es auch. Tempus fugit! (Nicht: „Fuck it!“!)

Dass wir Widersprüche finden in den Glaubenssystemen derer, welche in unserer Gesellschaft um die Macht kämpfen, ist angesichts von deren Interessenskonflikten nachvollziehbar. Dass wir Widersprüche finden in den Glaubenssystemen der Religionen, ist auch konsequent. Hätten sie keine Unique Selling Points zu bieten, so würden sie im Wettkampf um die Deutungshoheit über Antworten auf unentscheidbare Fragen keine Kundschaft finden und die Klingelbeutel blieben leer. Dass Bürger angesichts der unübersehbaren Widersprüche in den Narrativen der Politik, ihr Heil im „Opium für das Volk“ oder der Philosophie suchen, ist – trotzdem dadurch die Widersprüche nicht abgestellt werden – ein weit verbreitetes Phänomen. Eine der Voraussetzungen dafür, dass Bürger sich mündig verhalten können gegenüber den allzu menschlichen Versuchungen von Korruption, Führerkult, Machtmissbrauch ist sicherlich die Beherzigung der simplen Einsicht, dass es eine „Innenseite“ und eine „Außenseite“ der Macht gibt, in deren Sphären und Milieus nach unterschiedlichen, aber einander voraussetzenden Regeln gespielt und das Verhalten der Standesgenossen und Berufskollegen nach unterschiedlichen ethischen Wertmaßstäben bewertet wird. Wer das fragwürdig findet, mag einmal probieren, die Seite zu wechseln und es anders zu machen.

Die Lebenswirklichkeit derer, die an eine Geschichte glauben möchten und die Semantik, Syntax, Semiotik derer, welche Narrative so designen, dass sie zwecks Gebrauch der Macht hinreichend lange hinreichend glaubhaft wirken, unterscheiden sich ähnlich drastisch wie die Selbstverständlichkeiten von Theaterproduzenten versus Theaterkundschaft. Dem hypnotischen Rahmen des eigenen Soziotops können sich die wenigsten Charaktere auf Dauer entziehen. Die Beschäftigung mit Religionsprodukten, auch mit den Künsten für Religionsdesign und den Wissenschaften für Religionsrecycling gibt der Hoffnung Nahrung, etwas über die Spielregeln der jeweils anderen Seite zu erfahren. Verständnis der Selbstverständlichkeiten, Konsensrealitäten und Routinen innerhalb der eigenen Soziotope, Milieus und Filterblasen muss sich mit einem Verständnis der Verhältnisse außerhalb der eigenen Bezugssysteme ergänzen, wenn Strategien zur Durchsetzung eigener Beschränktheiten erfolgreich sein sollen. Die Reformation anderer Konstruktsysteme und auch die Aktualisierung des eigenen Mindsets setzt voraus, dass Strategien simultan im Innen wie im Außen angreifen.

Es überrascht nicht, dass dabei die Wahrheiten und Weisheiten, die von Philosophie und Religion für die Beruhigung oder Beunruhigung von Psychen und Organisationskulturen zur Verfügung gestellt werden, untereinander in krassen Widersprüchen stehen. Ihre Genesis verdankt sich verschiedenartigen Situationstypen. Der Anlass zum Sammeln der an und für sich genommen wahrhaft und mitunter sogar weise wirkenden Aphorismen war also schon dieses Verwundern über den Kontrast zwischen Gültigkeitsanspruch und Begrenztheit der Theoriereichweite in der Politik und Kultur von DDR/BRD und den philosophischen und religiösen Deutungsangeboten dafür. Viel erstaunlicher und den Autor für das Ersinnen immer neuer Aphorismen motivierend, waren aber die Widersprüche in den Wissenschaften, in der vermeintlich durch und durch glaubwürdigen Medizin und schließlich im Babel der quasi religiösen Rahmensetzungen für die Organisation von Psychotherapien: „Wer heilt, hat Recht!“ Wer heilt, hat Recht? Ist die religiöse, politische (also quasireligiöse) Parole vielleicht gerade deshalb so inszenierungsbedürftig … kann so wenig für sich selbst einstehen, weil der Zusammenhang zwischen Theorie und Evidenz derart weit auslegbar ist?

Wenn bei den medialen Talenten Anspruch und Wirksamkeit auseinander klaffen, die im Funktionssystem der Politik den Zauber künftiger Paradiese besingen, die wir erreichen können, wenn nur eben die fiesen politischen Gegner das nur nicht derart perfide hintertreiben würden, so verweist das auf einen traditionell eher losen Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis. Auch bei den diversen Anwärtern auf Gottes Stellvertreterschaft gibt es keine Unterabteilung der Stiftung Warentest, welche angesichts des gestellten Herrschaftsanspruches auf Erden bspw. einen Gottesbeweis nach rechtlich und international anerkannten Evaluationskriterien einfordern würde. Wie aber kann es sein, dass durch Therapien erfolgreich Selbstheilungsprozesse angeregt werden, obschon die Vertreter der verschiedenen, miteinander im Streit liegenden Therapieschulen ihre Heilungserfolge mit zu einander in Widerspruch stehenden Glaubenssysteme begründen? Lässt die Evidenz uns als Wahrheits- bzw. indirekt auch Gottesbeweis im Stich? Oder wissen die Heiler einfach ohnehin nicht hinreichend genau, was sie tun und die Körper der Behandelten werden trotz der Selbstmißverständnisse der medizinischen Autoritäten aufgrund vergleichsweise „weniger schlechter“ Therapien wieder heil?

„Die einzigen Fragen, die wir entscheiden können, sind die Fragen, die prinzipiell unentscheidbar sind.“ (Heinz von Förster)

Der Begriff „Kurpfuscher“ kommt nicht von ungefähr in die Welt und verweist auf die lange Tradition des Auseinanderklaffen von Therapieresultat und theoretischer Herleitung für Intervention bzw. Erklärung von Interventionserfolgen. Die Medizingeschichte ist voll von abstrusen Heilungsversuchen, auf welche die Menschen vergangener Epochen in ihrer Verzweiflung Hoffnungen gesetzt haben. Hat die Epoche der Kurpfuscher am Ende nie aufgehört? Ist Verzicht auf Schweinefleisch nicht vielleicht mit gutem Grund nicht gottgewollt, der Unterhalt von vier Herzensdamen für Ehrenmänner Ehrensache und Genitalbeschneidung vielleicht doch empfehlenswert? Wie groß ist die Gefahr, dass wir dem nächsten Hype bzw. Aberglauben aufsitzen? Zunehmend absehbar wurde in den Nachwende-Jahrzehnten der Verfassung all der einander in Frage stellenden, aphoristischen „Wahrheiten“ von PfZ, dass die Analyse der Widersprüche in verabsolutierten Glaubenssystemen der physischen, somatischen, sozialen und semantischen Gesundheit mindestens so zuträglich sein dürfte wie das hingebungsvolle Glauben an die heile Welt der scheinbar alles Mögliche (und damit nichts genau) erklärenden Doktrinen von Kurpfuschern in der Medizin, Politik, Religion, Kunst.

Je mehr sich der Autor mit den – durch die bildenden Künste und damit natürlich indirekt durch Gottes Hand – unterstützten Inszenierungen der göttlich inspirierten Dienstleister und ihrer Glaubenssysteme auseinander setzte, desto stärker ergriff ihn eine vermutlich ebenfalls göttlich inspirierte Ahnung davon, dass das anlässlich einer Religionsinszenierung dahin gesagte Wort erstaunlich wenig Relevanz hat. Ebenfalls durch höhere Einsicht beflügelt, wurde er später gewahr, dass die Extreme sich auf den Turnierplätzen der Kulturkämpfe und Systemvergleiches alles in allem überraschend harmonisch ausgleichen. Der Zusammenhang zwischen Tun und Glauben ist offenbar hin wie her eher lose gekoppelt. Die Selbstzuschreibungen der Wunderheiler, Politiker, Gesundbeter, massenmediale Rampensau für ihre Wirksamkeit, Erleuchtetheit, Auserwähltheit hat offenbar nur sehr begrenzten Erklärungswert – obschon sie vor Gottes Auge und Ohr mitsamt ihrer Widersprüchlichkeiten zu bestehen vermögen. Zeus Donnerschlag bleibt aus, wenn sich die Riesterrente als Paradiesversprechung nicht bewährt. Man hat aber die Wahl, in diesem Flop selbst das Wirken göttlicher Weisheit zu sehen, gleichwohl man mit der Teilhabe an ihr gern ein wenig früher beschenkt gewesen wäre.

Unser Denken in Formen von Zusammenhangsannahmen und Überzeugungen ist im Jäger- und-Beute-Spiel der gleich Ködern ausgelegten Glaubenssätze sowohl in der Opfer- wie in der Täterrolle unverzichtbare Voraussetzung für Entscheidungen und Handeln. Und wohin wir schauen; religiöse bzw. quasireligiöse Prämissen bestimmen Politik, Wissenschaft, Alltag unserer sich als „Wissensgesellschaft“ feiernden Kulturgemeinschaft. Nur scheint das eben ein sehr gnädiger Gott zu sein, wenn man schaut, wie mit derart widersprüchlichen Vorannahmen alles Mögliche und grausige als durch höhere Gewalt straflos legitimiert wird. Es scheint auch in unserer sich als aufgeklärt feiernden Wissensgesellschaft eher die Ausnahme zu sein, die Widersprüche in den Glaubenssystemen zu hinterfragen geschweige, dass wir in Schulen lernen würden, selbst spielerischer und situationsgerechter mit Glaubenssätzen umzugehen. Vielleicht haben die Bürger Anfang des 21. Jahrhunderts zumindest intuitiv schon die für Selbstaufklärung tragende Haltung konstruktiv-subversiver Herangehensweise an zeitlich befristet gefeierte Dogmen inkl. Mindesthaltbarkeit und Ablaufdatum entwickelt und müssen es nicht mehr trainieren, gegenüber sich Selbst und der Beschränktheit anderer Heilsverkünder eine Metaposition aufzubauen?

Die Arten von Übertragungsfehlern beim Transfer von Theorie in Praxis und – „Versuch macht klug!“ – mit neu gewonnener Lebenserfahrung wieder retour, sind zahlreich. Religionsverkäufer können unser psychologisches und soziales Immunssystem schon mal dadurch unterlaufen, weil Erfahrung grundsätzlich nur bedingt verallgemeinerbar ist. „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Die anderen Artgenossen meiner Spezies mögen nach einem vergleichbaren Bauplan angelegt sein. Und doch sind wir alle gleichermaßen einzigartig. Die wichtigsten Übertragungsfehler, welche von denen ausgenutzt werden, die sich amtlich beglaubigt als erleuchtet zu legitimieren suchen, können wir ausgehend von der Wahrnehmungsorganisation her rekonstruieren. Damit wir für die Hypnose der staatlich alimentierten oder privatwirtschaftlich motivierten Kleriker empfänglich sind, werden in unserer eigenen Erfahrung wesentliche Infos getilgt, verzerrt oder unpassend verallgemeinert. Marx würde – wie viele Psychologen heute – von „Entfremdung“ gegenüber den eigenen Bedürfnissen und Kompetenzen sprechen.

An welchen Symptomen können wir erkennen, dass ein Vertreter der Soft Sciences zu einem Kleriker geworden ist? Vielleicht an „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“?

Mitunter werden verkehrte Schemata für die Er- und Verklärung der uns unentwegt umgebenden Wunder angewandt oder die richtigen Schemata zur Erklärung werden verkehrt angewandt. Täuschbar, verwundbar sind wir in unserer Selbstregulation, wenn die Verbindung von Lernkontext und Kontextspezifischer Einsicht/Weisheit gestört ist und der Theorie-Praxis-Transfer misslingt. Ist uns die Update-Bedürftigkeit der eigenen Konstrukte bewusst? Woran merken wir das Überschreiten der Mindesthaltbarkeit? Nur wer sich ändert, bleibt sich treu?“ Voraussetzung für die rechtzeitige Selbstaktualisierung der persönlichen Routinen für die Organisation von Selbstorganisation ist ohne Zweifel systematisches Religionsrecycling. Auch für Organisationen ist es überlebensrelevant, dass sie für die Regeneration ihrer Zukunftsfähigkeit just-in-time die passenden Innovationen entwickeln oder kaufen. Durch eine über das Fetisch Innovation getriebene Reformation können sie der Katastrophe infolge verpasster Anpassung an neue Existenzvoraussetzungen leichter zuvor kommen als wenn sie allein auf die Lernbegeisterung der von ihr bezahlten Gewohnheitstiere zählen.

Bei den Kandidaten für die Überprüfung, Falsifikation und Optimierung von Arbeitshypothesen durch Prototyping kommen mehr und mehr Sozialwissenschaftler dahinter, dass es erkenntnisanleitend ist, zwischen „Hard Sciences“ und „Soft Sciences“ zu differenzieren. Es lohnt sich in dem Zusammenhang immer wieder, einen Hinweis von Herrn Goethe zu beherzigen: „Wenn Du eine weise Antwort haben willst, so musst Du auch vernünftig fragen.“ Das größte Kapitalverbrechen unserer Epoche besteht wahrscheinlich darin, dass wir als Bewohner des Raumschiffes Erde alle miteinander genau dies nicht tun. Stattdessen rufen wir mit technologischen Antworten auf in anthropologischer Hinsicht dämlich gestellte Fragen zyklisch Katastrophen herbei, die uns menschliches Maß mehr oder weniger sanft in Erinnerung bringen. Die Expertise der Soft Sciences besteht theoretisch darin, herauszuarbeiten, welche Fragen im Goethe`schen Sinne vernünftig und daher Sinn stiftend zu stellen sind. Die Stärke der Hard Sciences besteht theoretisch darin, technologische Antworten auf die – in anthropologischer Hinsicht auf menschliches Maß – vernünftig gestellten Fragen in Form von Prototypen zu finden.

Früher als die Sozialwissenschaftler unserer Tage haben die Kirchen erkannt, welches Überraschungspotential den Hard Sciences innewohnt. Disruptive Innovation birgt das Potential in sich, die vom Klerus (dem Vorgänger der gegenwärtigen Sozialwissenschaften) als gottgewollt legitimierten, etablierten Herrschaftsstrukturen in Frage zu stellen – u.a. dadurch, dass die Kräfte, welche die dekadent gewordene Machtstruktur als überlebt in Frage stellen, gegenüber dem Gewaltmonopol militärische Überlegenheit gewinnen könnten. An Infragestellung von Antwortversuchen der Vertreter von Social Sciences durch Vertreter von Hard Sciences besteht traditionell wenig Interesse. Wenn bspw. der Reformator seine Glaubwürdigkeit als Prophet mit einen Gang durch 30 Meter hohe Flammen zu erneuern hoffte und das Experiment damals sicherheitshalber aufgeben musste, so hätte er durch Nutzung heute verfügbarer Technologie seinen Deutungs- und Machtanspruch gegenüber dem dekadenten Papst Geltung verschaffen können. Die Savonarolas unserer Tage sind bislang deshalb so chancenlos, weil sie über keinerlei technologischen Vorsprung im Kampf um Macht und die Definition eines zeitgemäßeren Gesellschaftsbetriebssystems verfügen.

Die Evaluation klerikaler bzw. sozialwissenschaftlicher Glaubenssätze durch Experimente der Hard Sciences ist freilich immer fehleranfälliger, je mehr wir uns gesellschaftlich den Verhältnissen der Vorrenaissance annähern. Folge der Überforderung mit Information Overload, Digitalisierung, Zumutung von Medienkompetenz, Kritikfähigkeit gegenüber Gruppendenken und Schwarmdummheit ist 200 nach dem Siegeszug der Säkularisation in Europa ein neuer Markt für Religionsanbieter entstanden, die außer der Dienstleistung der Heiligsprechung dekadent gewordener Seilschaften an der Macht zu allem Elend auch noch smart daher kommende Spielarten von Inquisition im Marschgepäck mit sich bringen. Infolge der ungünstig veränderten Marktsituation für Aufklärung, Selbstkritik, Kritischen Rationalismus und folge des Bedarfes der anachronistisch gewordenen Machtstrukturen an Legitimation durch höhere Gewalten sehen sich Vertreter der Hard Sciences ähnlicher Innovationsbegeisterung beim Klerus unserer Zeit gegenüber wie seinerzeit bspw. Giordano Bruno. Klerus 2.0 fällt angesichts der wechselseitigen Abhängigkeit von weltlicher und geistlicher Macht als Korrektiv für überlebte Dogmen aus.

Die menschliche Existenz im Rahmen von Organisationen ist durch Paradoxien gekennzeichnet, deren Auflösung und Wiederaufbau in der Dimension Zeit zyklisch erfolgt. Organisationskulturen können ein Ausmaß an Verrücktheit realisieren, das ein Individuum nicht auszuhalten vermag.

Auf welche Halbgötter / Wissenschaftler, welche Musen / Wissenschaftlerinnen können wir hoffen, wenn der Vertreter der Funktionssysteme Politik, Medien, Militär den Eigensinn des Funktionssystems Wissenschaft erfolgreich „versklavt“ (vgl. Hermann Haken), potentielle Aufklärer aus den Hard Sciences paralysiert und eine neue Armee von Militärpredigern und Sittenwächtern einsatzbereit ausgebildet haben? Die Antwort, die uns der durch den Zusammenbruch der Glaubenssysteme von DDR1.0 und BRD beeindruckte Autor mit „Poesie für Zyniker“ gibt, wird den geneigten Leser dieser Zeilen an diesem Punkt hoffentlich wenig überraschen: es ist die Göttin der Schönheit, auf deren Huld wir unser Seelenheil als Anbieter und Kritiker systemkritischer Arbeitshypothesen verwetten. Wenn wir schon Wahrheit“, noch nicht einmal Wahrhaftigkeit von den Außenhandelsvertretern der Religionsgemeinschaften erwarten können und die Naturwissenschaftler sich vom Klerus wie ein Tanzbär am Nasenring durch die Manege des leider allzu oft allzu gern schwarmdummen Publikums führen lassen, so bleibt uns immerhin als Evaluationskriterium für die Beurteilung einer Religion über die Hochzeit kommender und gehender Zeitgeistverirrungen hinweg die Ästhetik der vorläufigen Irrtümer und Vereinseitigungen, also schlussendlich die Poesie, die im Lächeln des historisch verstandenen und individuell neu ausgelebten Lebens aufscheint.

Wenn wie mentalen Voraussetzungen für die Übernahme politischer Selbstverantwortung … Managementerfolg in Wirtschaft, Medizin, Militär hinterfragen, um sie rechtzeitig aktualisieren zu können, so ist es hilfreich, wenn wir selbst über eine Art inneren Ort jenseits der Hypnoseversuche durch mehr oder minder wohl meinende Artgenossen sowie diesseits der situativ bedingten Selbsthypnose zur Verfügung … in unserem Bewusstsein kultiviert haben. Diese oft als „schön“ erlebte Metaposition gegenüber der Beschränktheit anderer Menschen und Organisationen wie ggü. der eigenen Tendenz zur Verabsolutierung der, unsere Psyche formatierenden Situationen ist nicht zuletzt für alle jene Gesellschaftsmitgestalter geboten, welche die Innenseite der Macht in Form von Realpolitik (einst: „Kabinettspolitik“) und die Außenseite der Macht in Form von Publikumspolitik mitbestimmen oder gar beherrschen wollen. Die Beherrschung der eigenen Kompetenzen für Religionsrecycling ist nicht allein für Volksdiener, Gelegenheitsdespoten sondern grundsätzlich für uns Bürger nützlich. 1989/90 zeigte sich dies …

Im Sinne von Tolstoj und im Stil von Geistern wie Emile Cioran und Ambrose Bierce verarbeitet der bislang noch wenig bekannte Autor Hieronymus Ambrosius in der „formlosen Form“ von 2000 Aphorismen die Erlösung und den Schock der Wende sowie die 30 Jahre Nachhall auf das Verschenken der historischen Chance Perestroika auf einigermaßen witzelnschaftliche Weise. Mein Gott, haben wir damit denn nun endlich verstanden, worum es in dem Buch geht? Wunst küsst Witzelnschaft. Wer das nicht erlebt hat, der hat nichts erlebt.

Um von 286 Mio Russen eine Mehrheit davon zu überzeugen, dass er ein verantwortungsvollerer und kompetenterer Präsident als u.a. Michael Gorbatschow sei, benötigte Boris Jelzin ein Team von gerade mal fünf US-amerikanischen Wahlkampfberatern.